
Seit nunmehr acht Jahren arbeitet Isaac Florentine ständig mit seiner Cutterin Irit Raz zusammen, die ihren Teil zum Erfolg von "Undisputed II: Last Man Standing" beitrug und freundlicherweise dazu bereit war ein paar Fragen zu beantworten:
Wie hast du dich für den Beruf als Cutterin entschieden? Regisseure wollen Filme machen und Schauspieler wollen vor einer Kamera agieren. Aber eine Cutterin? Sie (oder er) ist eine wichtige Stütze für jeden Regisseur, aber auch ein Beruf, den das Publikum unglücklicherweise nur selten zu schätzen weiß. Was war deine Motivation in diesen Beruf einzusteigen?
Ich glaube ich wurde dafür geboren Cutterin zu werden. Es ist meine Gabe Dinge zusammenzusetzen, verschiedene Zeitabschnitte, Stile zu vermischen und sie dann doch organisch erscheinen zu lassen. Ich liebe das Schneiden, denn es die Art eine Geschichte mit einem Mix aus Tempo, Bildern, Sound und Musik zu erzählen. Es ist so wie eine Braut einzukleiden. Erst ist da das nackte Material, es ist sehr roh, dann verändere ein bisschen hier und nehme da ein Stück weg, dann beschleunige und verlangsame ich das Tempo, ich sorge für Höhepunkte und lasse die Anspannung fallen, bevor wir sie wieder steigen lassen. Es ist wie Musik. Jeder Film hat seine eigene, unterschiedliche Melodie, seinen unterschiedlichen und einzigartigen Rhythmus. Wenn all das getan ist, dann verschönere ich es noch an den richtigen Stellen mit Musik und Sound und voila - die Braut ist fertig für den großen Moment.
Für mich wird der Film im Schneideraum gemacht. Ein guter Cutter kann schlechtes Material nehmen und daraus etwas Funktionierendes machen. Es ist fast wie Magie und es wächst mit dir. Am Set müssen zu viele Entscheidungen getroffen werden und ein Kontrollfreak wie ich zu sein ist wirklich unheimlich! Ich würde die Chefs der einzelnen Abteilungen vermutlich unter unmöglichen Bedingungen arbeiten lassen! Ich bewundere immer noch wie Regisseure ihre Tage rumkriegen. Es ist viel einfacher in einem Raum mit Klimaanlage zu sitzen und die Schauspieler auf dem Bildschirm auszuschimpfen. Niemand schreit zurück oder hat eine Meinung dazu…
Wenn ein Film funktioniert, dann bemerkt das Publikum den Schnitt gar nicht und das ist das größte Kompliment!
Du hast deine Karriere in Israel begonnen und Filme wie zum Beispiel "My Mother the General", "A Crazy Dad" oder die putzige deutsche Komödie "Pinups und ein heißer Typ" (Sorry, Ich kenne nur den deutschen Titel) geschnitten und du hast oft mit Joel Silberg zusammengearbeitet. Aber danach gingst du in die U.S.A. und hast an dem Märchen "Hansel and Gretel" für Cannon gearbeitet. Auf welche Weise haben Yoram Globus und Menahem Golan deine Entscheidung nach Amerika zu gehen beeinflusst?
Menahem Golan gab mir die erste Chance einen Film zu schneiden als ich gerade 25 war. Ich traf ihn in Tel Aviv auf der Straße und er kannte mich von meiner Tätigkeit als Cutter-Assistent bei verschiedenen Filmen. Er fragte mich, was ich vorhabe, und ich hatte die israelische Chutzpa zu sagen: "Ich warte auf meinen ersten Kinofilm." Er sagte ich solle am nächsten Tag in sein Büro kommen und er gab mir meinen ersten Kinofilm als Chef-Cutter bei "My Mom The General" unter der Regie von Joel Silberg, was der Beginn meiner Zusammenarbeit mit Joel bei vier Filmen war. Mit Joel ging ich nach Berlin um einen Film zu schneiden, der "The Pinups" hieß.
"Hansel and Gretel" wurde in Israel gedreht und in London geschnitten, mit einem amerikanischen Regisseur namens Len Talan. Die Märchenserie war der Anfang der Cannon Firma. Menahem Golan gründete sie in Los Angeles und ich fühlte, dass ich meinen Horizont erweitern, wachsen und mir selbst eine Chance mit den BIG BOYS in Hollywood geben müsste. Also zog ich nach Los Angeles. Unglücklicherweise existierte Cannon zu dem Zeitpunkt, als ich umzog, kaum noch und so war es eine lange und harte Zeit für mich, ehe ich in der Industrie Fuß fassen konnte.
Du hast mit so unterschiedlichen Regisseuren wie Sam Firstenberg, Steve Carver und Allan A. Goldstein zusammengearbeitet. Wie schwierig ist es sich auf einen neuen Regisseur mit neuen Methoden und Arbeitsweisen einzustellen?
Es ist lustig, dass du genau die Regisseure genannt hast, mit denen ich am liebsten zusammengearbeitet habe… Es ist wirklich großartig mit Sam (sehr locker), Allan
Goldstein (viel Sinn für Humor) und Steve zu arbeiten. Steve Carver war der erste Actionregisseur mit dem ich arbeitete. Bis zu dem Zeitpunkt galt ich als künstlerische Cutterin. Tatsächlich war es hart für mich später bei Nu Image Arbeit zu bekommen, denn es wurde gesagt, obwohl ich eine gute Cutterin sei, sei ich eine Frau und würde deshalb nicht wissen, wie man Action schneidet… Isaac musste mit der Faust auf den Tisch hauen und darauf bestehen, dass ich auch Action schneiden könne! Nun ist es schwer für mich bei einem dialoglastigen Film einen Job als Cutterin zu bekommen, denn ich habe zuviel Action in meinem Lebenslauf… Das Leben hat in der Tat seine Ironie...
Die Beziehung zwischen Regisseur und Cutter ist sehr kompliziert. Es ist wie eine Ehe für eine kurze Zeit. Teilweise versteht man sich prächtig und teilweise ist es die Hölle. Ich habe mit Regisseuren zusammengearbeitet, deren Entscheidungen ich nicht wirklich gutheißen konnte. In solchen Fällen ist es eine sehr langweilige Erfahrung. Dann auf der anderen Seite habe ich mit Regisseuren zusammengearbeitet, die mich inspiriert haben und die mir halfen mich als Cutterin und als Person fortzuentwickeln. Ich gehöre nicht zu der Sorte Cutter, die zu allem Ja sagen, was der Regisseur vorschlägt. Ich habe eine feste Meinung und ich werde jeden Trick versuchen, den Regisseur davon zu überzeugen, die Dinge auf meine Weise anzusehen, wenn ich das Gefühl habe Recht zu haben. Wie auch immer, ich arbeite mit einem Regisseur zusammen und versuche alles, damit der Film funktioniert. Wenn es Uneinigkeit gibt, dann finde ich immer einen dritten Weg, auf den wir beide uns einigen können. Das ist der Ablauf beim Schneiden und mit ihm verändert sich der Film und kommt in Form. Ich liebe diesen Ablauf.
Jeder Regisseur ist anders, so wie jeder Cutter anders ist - nehme ich an. Jeder Regisseur hat seine Präferenzen bei unterschiedlichen Dingen. Einige sind gern die ganze Zeit im Schneideraum und andere kommen jeden Tag nur für eine kurze Zeit und lassen ihre Notizen da. Es ist egal, was auch immer funktioniert, solange der Film davon profitiert.
Egal ob Comedy, Horror, Action, Drama oder Science Fiction - du hast Erfahrung in jedem Genre. Welche Anforderungen bringen die verschiedenen Genres mit sich? Benötigt ein Actionfilm mehr Flair als eine Komödie?
Ich glaube, dass ein guter Cutter verschiedene Genres schneiden kann. Ich persönlich mag es an verschiedenen Genres zu arbeiten, wenn ich kann: Erst einen Actionfilm, dann ein Drama, dann eine Komödie. Es hält deinen Verstand offen und schärft deine Sinne, aber ich komme von allen möglichen Genres und meiner ganzen Erfahrung im Schneiden. Ich liebe es einfach alles Mögliche zu schneiden (sofern es natürlich gutes Material ist…)
Die letzten Jahre warst du nur an Nu Image Produktionen beteiligt. Bist du mit dieser Firma so verbunden oder warum hast du nicht für andere Studios gearbeitet?
Ich arbeite mit Nu Image, weil sie mir die Möglichkeit dazu geben und sie schätzen meine Fähigkeiten, also fühle ich mich dort heimisch. Falls die richtige Gelegenheit kommt, werde ich darüber nachdenken mit einem anderen Studio zu arbeiten.
Nun lass uns über deine häufige Zusammenarbeit mit Isaac Florentine sprechen. Wie hast du ihn kennen gelernt?
Isaac ist großartig! Er hat keine Angst vor einer starken Persönlichkeit, er mag das sogar. Es ist sehr lustig zu beschreiben, wie ich ihn traf. Es war zu der Zeit als er nach einem Cutter für seinen Film "Savate" suchte. Mein Freund Bernard Salzman war der Kameramann bei dem Film und empfahl mich für den Schnitt. Als mein Interview kam hatte ich ein 8 Monate altes Baby und mein Babysitter konnte auf einmal nicht kommen. Ich war sicher, dass ich den Job nicht bekommen würde! In Hollywood zu einem Jobinterview mit einem Actionregisseur gehen mit einem Baby in einem Kinderwagen? Keine Chance... Aber Isaac hat selbst Kinder, er verstand meine Situation und ich bekam den Job. Er ist kein typischer Actionregisseur. Er arbeitet gerne mit Frauen zusammen, er ist so nicht-chauvinistisch, es ist wunderbar.
Ihr beide habt bei 8 Filmen zusammengearbeitet. Beschreib doch bitte die lang andauernde Arbeitsbeziehung zwischen ihm und dir.
Unsere Beziehung hat sich nicht über Nacht entwickelt. Es brauchte seine Zeit, aber ich denke wir treiben uns gegenseitig an mehr und Besseres zu machen und wir beglückwünschen uns gegenseitig. Wir haben beide unsere Stärken und erkennen sie inzwischen in dem anderen - und wir vertrauen einander. Wir haben keine Angst unsere Stimme zu erheben und uns zu streiten, wenn wir müssen. Ich freu mich immer auf ein Projekt mit Itzik (so nenne ich ihn). Ich weiß, er wird mir in den Arsch treten und ich weiß, dass ich aus Beste aus dem Material herausholen werde und dass ich sehr stolz auf das Ergebnis sein werde. Itzik ist sehr lustig, sehr loyal, sehr talentiert und einzigartig. Er ist ein ganz besonderer Mensch!
Isaac sagte mir, du hast sehr starke Meinungen. Wie kann ich das verstehen? Wie groß ist dein Einfluss auf seine Filme?
Ich denke die letzte Antwort ist bereits eine Antwort auf diese Frage. Ich bin keine Auftragsarbeiterin, ich bin eine Cutterin und stolz auf meine Aufgabe. Ich habe immer noch Spaß daran nach all diesen Jahren. Ich glaube, dass der Film im Schneideraum entsteht und ich glaube, dass ich zum Erfolg von jedem Film beitrage, an dem ich arbeite.
OK, die Schlussworte gehören dir. Wenn du irgendwas an unsere Leser richten willst, ist dies deine Chance.
Ich denke, ich habe genug gesagt; ein Cutter ist jemand im Hintergrund und nicht vor der Kamera… und übrigens, wer schneidet dieses Interview für mich?
Viel Glück,
Irit Raz- Mcbride