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  • Seit Jahren für Nu Image tätig, hat sich Ross W. Clarkson seinen guten Ruf erarbeitet und ist nun in die größeren Produktion von Nu Image / Millennium Films involviert. Ein Blockbuster ist nur eine Frage der Zeit...

    Inzwischen bist du ein wohlbekannter Cinematographer für Actionfilme und hast mit verschiedenen Filmstars zusammengearbeitet. Wie hast du deinen Beruf ausgewählt? War es ein lebenslanger Traum seit deiner Kindheit oder eine spätere Entscheidung? Erzähl doch ein bisschen von deinem Weg in das Geschäft.

    Ich hatte mit Kameras herumgespielt, seit ich 8 oder 9 Jahre alt war, dann mit 15 sah ich eine TV Nachrichtencrew und dachte das wäre wohl ein toller Job. Danach organisierte ich mir eigene Arbeitserfahrung bei lokalen TV Sendern, indem ich mit den Nachrichtencrews herumzog. Darauf hatte ich genug Glück zu Kanal 9 zu gehen, als sie gerade von Film auf Video umstellten und Leute anstellten. Ich bekam einen Job als anzulernender Cutter; ich hatte gerade die Schule verlassen und war 17.

    Du wurdest in Australien geboren, aber hast deine Karriere untypisch in Hongkong begonnen. Was hat dich dahin geführt? Sind Amerika oder Europa nicht die näher liegenden Anlaufstellen?

    Die Filmindustrie in Australien ist sehr klein und fordernd; ich bin sicher, wenn ich dageblieben wäre, dann würde ich Taxi fahren. Ich war schon vorher in den Ferien in HK gewesen und ich war auf der Suche nach Arbeit durch Asien gezogen, aber hatte kein Glück. Dann arbeitete ich in Australien an einem kleinen Film, der schon in der Produktion Pleite ging. Ich hatte viel Geld in den Film investiert und gehofft, dass es weitergehen würde; ich war so verzweifelt ein Showreel von einem Film zu bekommen. Nach diesem Desaster flippte ich ein wenig aus, aber die Hauptdarstellerin kannte den Besitzer einer HK Filmfirma, der sagte ich könne herüberkommen und sehen was passiert. Drei Monate lang renovierte ich ein Haus für ihn, ehe er mir einen Job gab. Ich habe bei der Arbeit für diese Firma viel gelernt. Sie ist auch eine große Verleihfirma, sodass ich die Chance hatte alle möglichen Sorten von Equipment auszuprobieren. In meinem ersten Jahr habe ich vielleicht 20 Filmjobs gemacht, in Australien hätte das 5 Jahre gedauert. Für mich war es der richtige Weg. Außerdem produzierte HK viele Filme zu der Zeit, John Woo wurde berühmt, also dachte ich, wenn ein westlicher Typ dieses Training hat, dann kann dies ein Vorteil im Geschäft sein.

    "Full Alert" war der Beginn einer mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen dir und Regisseur Ringo Lam. Wie kann die Beziehung zwischen ihm und dir zustande und wie hat sie sich entwickelt? Übrigens: Weißt du, was er gerade macht? Nach "In Hell" ist es ja leider sehr still um ihn geworden.

    Ich erinnere mich immer noch wie ich Ringo das erste Mal getroffen habe. Ich hatte Unterwasserszenen für einen anderen HK Film gedreht und Ringos Produzent kam auf mich zu, um mit mir darüber zu reden einige Unterwasserszenen für Ringo zu drehen. Nachdem wir über die Szene gesprochen hatten, schien Ringo besorgt, aber ich sagte ihn könnte ihn nicht beruhigen bis wir mit dem Dreh begannen… Dann wurde ich besorgt, denn sie bauten einen echten Abwasserkanal mit einem Durchmesser von 6 Fuß und einer Länge von rund 30 Fuß. Es wurden einige Löcher für Einstieg und Licht in die Decke geschnitten. Ich hatte das Equipment aus Australien hochschicken lassen (das war billiger als er vor Ort zu mieten), aber ich hatte einige Unterwasserleuchten vor Ort bestellt, die am Tag vor dem Dreh auf einmal nicht mehr zu haben waren (der Typ wollte uns nicht helfen), also kaufte ich einige große Taschenlampen. Am ersten Tag war ich in Sorge keine gute Arbeit leisten zu können… Ringo war ruhig und freundlich. Ich hatte viele Geschichten über ihn gehört, es war mitten im Winter und der Tank nicht geheizt… Es war insgesamt nicht angenehm, nach ein paar Tagen mussten sie etwas Wasser ablassen und heißes Wasser hineinlassen. Ich habe mich gut mit Ringo verstanden, dann haben wir uns gemeinsam die Aufnahmen angesehen. Da meinte er ich hätte ein gutes Gespür und sollte einen kompletten Film mit der Kamera aufzeichnen. Ich hatte einige Zeit nichts von Ringo gehört, als er mich auf einmal zu einem Kaffee einlud. Er wollte, dass ich "The Suspect" abfilmte, der so was wie "Die Hard" auf den Philippinen sein sollte. Wir kamen gut aus, danach kam "Victim"… Ringo gibt sogar zu, dass er mir bei dem Film das Leben schwer machte. Ich dachte jeden Tag ich würde gefeuert, aber schlussendlich bekamen wir ein paar Nominierungen bei Filmfestivals. Ringos Persönlichkeit reflektiert stets die Art von Film, an der er gerade arbeitet, das trifft viele Leute unvorbereitet, selbst Schauspieler. Ringo wohnt 10 Minuten von meiner Wohnung in Hong Kong entfernt, wir sehen uns gelegentlich. Vor ein paar Monaten traf ich mit ihm und Van Damme auf einen Kaffee in HK (Van Damme kommt öfters zu Besuch, er hat sich auch ein Wohnung in HK gekauft).

    Du hast auch mit Jean-Claude Van Damme vier Filme gedreht - zwei davon unter der Regie von Ringo Lam. So eine Zusammenarbeit zwischen Cinematographer und Hauptdarsteller über mehrere Filme hinweg ist ungewöhnlich. Was waren die Gründe dafür? Eine tiefere Freundschaft nach "Replicant", das Wissen, dass du und Van Damme euch bei diesen Filmen perfekt ergänzt, oder hat er einfach deine Fähigkeiten erkannt?

    Jc, wie ich ihn nenne, und ich wurden gute Freunde beim Dreh von "Replicant". Er war sogar Trauzeuge bei meiner Hochzeit mit Irina in Bulgarien… Ich hab ihn nicht gefragt, er mich… Ich denke er fühlt sich in meiner Gegenwart wohl, ich behandele ihn einfach als normalen Menschen. Jc hatte eine schwere Zeit (im Privatleben) und die hatte ich auch, vielleicht ist das etwas, was wir gemeinsam haben. Jc respektiert meine Kameraarbeit, er mag das Gefühl, dass sie rüberbringt. So nahm Jc mich nach "Replicant" nach Israel und Bulgarien für "The Order" mit; das war der Zeitpunkt als ich Nu Image wirklich kennen lernte, sie mochten meine Arbeit und meine Einstellung.

    In den letzten Monaten warst in sehr gute Filme involviert. Ich persönliche denke deine Arbeit bei "The Mechanik" war top-notch. Dieser pessimistische und körnige Look ist sehr atmosphärisch und vor allem der Showdown ist exzellent gedreht. Wie viele Freiheiten hattest du und konntest du deine eigene Kreativität einbringen? Im Bezug dazu möchte ich wissen, wie war die Zusammenarbeit mit Dolph Lundgren und hat ein Cinematographer normalerweise freie Hand oder ist er immer an die Anweisungen des Regisseurs gebunden?

    Mit Dolph zu arbeiten war eine weitere gute Erfahrung. Es gibt eine Phase, in der man sich auf jemanden einstellen muss, mit dem zum ersten Mal arbeitet. Ich denke ich stelle mich auf diese Leute anders ein als andere es machen, ich krieche ihnen nicht in den Arsch. Bei der Arbeit an diesen Filmen ist es in meinen Augen am allerwichtigsten ehrlich zu sein… Dies wird nicht der beste Film der Welt und es nicht die allerbeste Story… Was können wir als tun, um ihn besser zu machen? Was will unser Publikum sehen? Nachdem wir über diese Punkte gesprochen hatten, gestalteten wir den Film um Dolph herum… Wenn jemand anders die Hauptrolle gespielt hätte, wäre der Film anders gewesen. Wir mussten es persönlich gestalten und einigten uns darauf, es cool und anders aussehen zu lassen. Ich zeigte ihm ein paar unterschiedliche Stile. Dolphs Vertrauen in mich wuchs so sehr, dass ich Dolph bat mir eine Skizze der Szene zu zeigen und fragte wie er sich das Aussehen der Szene am Schluss vorstellte, dann schlug ich etwas vor. Wir haben viele Aufnahmen mit dem Kamerakran, wenn wir die Zeit dafür hatten, haben viele Szenen in einer Einstellung gedreht, wir hatten unseren Spaß.

    Der Martial Arts Film "Undisputed II: Last Man Standing" war eine neue Herausforderung für dich mit seinen schnellen Fights und spektakulären Moves. Gab es für dich größere Probleme den schnellen Choreographien zu folgen? Isaac dreht sehr akzentuiert mit deutlichen Kamerafahrten Wie schwer war es sich auf ihn einzustellen? Bitte beschreib eure Zusammenarbeit etwas.

    Ich hatte die bestmögliche Zeit bei meiner Arbeit mit Isaac. Erneut gab es eine Aufwärmphase, am ersten Tag gab es ein paar kleinere Missverständnisse. Aber wir kamen darüber hinweg, vor allem als Isaac begann die Aufnahmen zu sehen. Ich gab dem Labor und der Entwicklungsabteilung sehr strikte Richtlinien… aber mit dem Budget kann man nur soviel tun. Isaac ist sehr begeistert, so sehr, dass er manchmal einige Dinge gar nicht bemerkt, dann kann ich ihm helfen. Außerdem hatte ich noch nie Kampfszenen so gefilmt wie Isaac sie dreht, sodass Isaac mich nach etwas fragen würde und ich es abändern würde, um ihm etwas anderes zu zeigen… Isaac begann neue Dinge zu akzeptieren und zusammen konnten wir daran arbeiten.

    Wer sind deine Vorbilder? Käme Regieführen für dich in Zukunft in Frage, so wie z.B. Jan de Bont oder Andrzej Bartkowiak es getan haben? (Do you think directing is also an future option for you like Jan de Bont or Andrzej Bartkowiak for example?)

    Ich würde unheimlich gern Regie führen… Ich habe Nu Image nach dieser Chance gefragt, aber bis jetzt war sie noch nicht da… Meine Inspiration kommt vom Schauen aller möglichen Arten von Filmen (vor allem Big Budget Actionfilme) und ich frage mich, ob ich etwas anders machen könnte, wenn ich dort wäre. Bei manchen großen Filmen suchen sie den schwersten Weg, um etwas Einfaches zu machen.

    Auf welche Weise ist ein Cinematographer in die Post Production involviert? Oder ist sein Job nach dem Dreh beendet?

    Das hängt vom Budget ab, bei einem Hongkong Film bekomme ich normalerweise zwei Tage um den Film zu färben. Aber Nu Image möchte nicht, dass ich nach L.A. komme um einen Film zu färben... Dolph und ich hatten ein lange Gespräch über "The Mechanik" und wir haben in Bulgarien ein paar Tests gemacht.

    09. Du hast mit Schauspielern wie Jean-Claude Van Damme, Wesley Snipes, Steven Seagal, Shu Qi, Simon Yam und Dolph Lundgren sowie Regisseuren wie Ringo Lam, Bob Misiorowski, Michael Oblowitz, Mark Roper und Isaac Florentine gearbeitet. Gab es auch Zeiten in denen es Probleme gab, weil ein Schauspieler oder Regisseur nicht mit deiner Arbeit zufrieden war? Vielleicht weil es dir unmöglich war eine Order zu befolgen?

    09. Ich kann mich an kein so großes Problem erinnern. Es gibt immer persönliche Dinge, die hoch kochen… Bei Wesleys Film "Unstoppable" wurde ich der Hauptkameramann, nachdem er ging, und die Hauptdarstellerin Jacqueline Obradors begann uns ein paar Probleme zu bereiten…Sie kam in einen Verhörraum in der Polizeistation für eine Probe und war wütend auf mich, weil angefangen hatte das Set auszuleuchten bevor ich genau wusste, was sie tun würde. Aber es gab nur einen Stuhl in dem Raum, also wussten wir mit dem Regisseur, dass sie nirgendwo anders hingehen konnte... Außerdem ging Jacqueline bei der letzten Nacht außen vor dem Krankenhaus nach ein paar Szenen in ihren Wohnwagen, um ihr Haar für 45 Minuten zu bürsten. Zudem Zeitpunkt begann die Sonne aufzugehen und die Zeit lief uns davon. Also haben wir alle anderen Darsteller für die nächste Szene aufgenommen, sodass ihre Zeilen das Einzige waren, was übrig blieb… Sie mochte das überhaupt nicht.

    In den letzten paar Jahren hast du vor allem für Nu Image gearbeitet. Woher kommt diese enge Zusammenarbeit mit diesem Studio?

    Ich habe eine gute Beziehung zu Nu Image. Es ist einem Familienbetrieb sehr ähnlich. Sie wissen, dass ich sehr gewissenhaft bin, wenn ich arbeite und dass ich den Job nach Zeit und Budget beenden werde, so gut es in meiner Macht steht… Mit diesen Einschränkungen im Hinterkopf kämpfe ich dafür hoffentlich einen Look für den Film zu schaffen, der funktioniert.

    Brian De Palmas "The Black Dahlia" ist jetzt Post Production und ich denke für dich ist es ein großer Schritt vorwärts, vielleicht sogar deine Eintrittskarte für Big Budget Produktionen. Wie viel hast du von diesem großartigen Regisseur gelernt? Hast du schon neue Angebote?

    Bei Brians war ich nur der "B" Kameramann. Ich habe viel von Brian und Vilmos Zigmond, dem Hauptkameramann des Films, gelernt. Aber auf dem Level spielte jede Menge Politik mit rein. Ein großes Problem ist, dass so viele Filme Co-Produktionen sind, bei denen man Steuern einsparen will, was bedeutet, dass du je nach Herkunft deines Passes arbeiten kannst. Leider macht Australien wenige Co-Produktionen außerhalb von Australien, weshalb ich schon so einige Jobs deswegen verpasst habe. Ich bin momentan in einer Position, an der ich viele Filme gemacht habe, aber ich habe nicht den einen Film gemacht, den jeder sieht und liebt, und der dir einen Agenten verschafft…

    OK, die Schlussworte gehören dir. Wenn du irgendwas zu deinen deutschen Lesern sagen willst, ist dies deine Chance.

    Ich würde gerne Filme in Deutschland drehen. Falls du Produzent bist... ich bin zu haben. Ich hoffe ich kann weiterhin Filme drehen, welche die Leute gerne sehen.

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